Details
ISBN/EAN: 978-3-0369-5064-8
Einband: gebundenes Buch
Weitere Details
Originaltitel:
Ha sefer halo nachon
Ha sefer halo nachon
Übersetzer:
Markus Lemke
Markus Lemke
Erschienen am:
17.08.2026
17.08.2026
Sprache:
Hebräisch
Hebräisch
Umfang:
544 S.
544 S.
Format (T/L/B):
3.2 x 19.2 x 12.7 cm
3.2 x 19.2 x 12.7 cm
Hersteller:
Kein & Aber AG
Kein & Aber Verlag, Württembergallee 12, D-14052 Berlin
berlin@keinundaber.de
Bäckerstrasse 52
CH 8004 Zürich
Importeur:
Kein & Aber Verlag
berlin@keinundaber.de
Württembergallee 12
DE 14052 Berlin
Kein & Aber AG
Kein & Aber Verlag, Württembergallee 12, D-14052 Berlin
berlin@keinundaber.de
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CH 8004 Zürich
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berlin@keinundaber.de
Württembergallee 12
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Beschreibung
Die junge Mutter Rona ist überfordert - mit dem Kind und mit dem großen Roman, den alle, insbesondere ihr Mann Gidi, von ihr erwarten. Doch wie soll ihr ein bedeutender literarischer Wurf gelingen, wenn das Einzige, was sie seit der Geburt lesen kann, Romance-Bücher sind? Ohne Gidi davon zu erzählen, nimmt sie an einem Romance-Schreibwettbewerb teil. Sie kann ja nicht ahnen, dass ihre anonyme Teilnahme den ersten Platz belegen wird und ein Verlag bei ihr anklopft. Der Roman wird zum Erfolg, und überall spekuliert man, wer hinter dem Pseudonym steckt. Rona weiß nicht, wann sie aus der Deckung gehen muss.
Über Noa Yedlin
Noa Yedlin, geboren 1975, ist Preisträgerin des Sapir-Preises und des Levi-Eshkol-Preises, wurde vom Haaretz Magazin zu einer der '66 israelischen Frauen, die man kennen sollte' gekürt und gilt als eine der führenden Autorinnen Israels. In deutscher Übersetzung erschienen bei Kein & Aber bereits die Romane Leute wie wir und Unter Freunden stirbt man nicht , der unter demselben Titel als Serie verfilmt wurde. Das falsche Buch ist Noa Yedlins dritter Roman bei Kein & Aber. Markus Lemke übersetzt aus dem Hebräischen und Arabischen und hat u. a. Autoren wie Dror Mishani, Abraham B. Yehoshua, Noa Yedlin und Eshkol Nevo ins Deutsche übertragen. 2021 wurde Lemke mit dem Deutsch-Hebräischen Übersetzerpreis ausgezeichnet.
Leseprobe
I 1. Endlich war er eingeschlafen. Sie stand im Wohnzimmer, den schlafenden Säugling an ihrer Schulter; legte sie ihn ab, würde er aufwachen. Sie verspürte das Bedürfnis, ihn loszuwerden, sich das Recht auf ein Vergehen zurückzuholen, nachts verbotene Dinge zu tun in dieser Stillphase, ein Parallelleben zu leben, als Entschädigung gewissermaßen. Die Wohnung war teilnahmslos, aus dem Zimmer trug es Gidis Schlaf herüber. Er hatte gesagt: 'Weck mich, wenn du durchdrehst, weck mich ruhig. Warum weckst du mich nicht, damit ich dich ablöse?' Aber Rona hatte ihn noch nie geweckt. Sie trat ins Schlafzimmer. Hätte gerne gehabt, dass er aufwachte. Aber Gidi lag auf dem Rücken, den Mund aufgesperrt, als würde er sich nie sorgen, auch nicht, bevor er einschlief. Plötzlich verstand sie, wie man dazu kommt, jemanden umzubringen, und ein kleines Verlangen regte sich in ihr. Immerhin war sie schon im toten Winkel, versperrte mit ihrem großen Körper die Türöffnung. Aber ein kleines Verlangen genügte offenbar nicht. Sie kehrte zurück ins Wohnzimmer. Würde Law & Order: Special Victims Unit schauen, ohne Ton. Gidi verabscheute die Serie. Behauptete, das sei eine moderne, gesellschaftlich akzeptierte Metamorphose von Frauenhass, eine kollektive Vergewaltigungs- und Erniedrigungsfantasie, die sich unter einem scheinheiligen Deckmantel schon Gott weiß wie viele Staffeln hielt. Als Rona eingewandt hatte, es gäbe dort auch Männer, die vergewaltigt würden, umgebracht, sagte er: 'Toll, wie schön, jetzt kannst du dir das ja bedenkenlos anschauen. Aber du verstehst schon den Mechanismus, oder?' Alles, was sie jetzt tun musste, war, sich aufs Sofa sinken zu lassen, ganz behutsam darauf zu landen, damit Tabbai nicht aufwachte. Langsam, ganz langsam beugte sie die Knie, krümmte den Rücken nach hinten, den Blick im schiefen Winkel auf den Säugling geheftet, ihr Kinn ans Schlüsselbein gepresst. Mit äußerster Kraftanstrengung senkte sie den Hintern noch ein wenig. Ihre Knie zitterten. Aber die Anziehungskraft des Sofas war zu verlockend, seine unmittelbare Nähe einfach teuflisch, und im letzten Augenblick ließ sie sich das noch verbleibende Stückchen einfach fallen, wechselte zu früh vom konzentrierten Bemühen zur Erschlaffung. Tabbai bewegte sich. Sie hielt den Atem an. Er krallte sich fester an ihre Schulter. Sie erstarrte. Würde er wieder einschlafen? Gidi sagte immer: 'Er muss tief schlafen, lass ihn, lass ihn.' Und sie ließ ihn, soweit ihre Geduld es erlaubte, für einen langen, stummen Augenblick. Dann wagte sie, sich mit ihm zurückzulehnen, die Beine gespreizt, und in ihrem Körper breitete sich kurzfristig Erleichterung aus, bis diesem wieder einfallen würde, was ihm alles fehlte. Sie streckte die rechte Hand aus, um das Sofa nach der Fernbedienung abzutasten. Aber da war nichts. Sie besah sich den Tisch, aber dort lag sie auch nicht. Sie holte tief Luft, ein Luftholen, das sie kannte, ein Tiefdurchatmen, anstatt zu weinen. Das hatte sie nicht verdient, nicht nachts um zwei. Sie hatte Law & Order verdient. Gidi hatte bei einer Gelegenheit gemeint: 'Schon interessant, da mal drüber nachzudenken: Warum ausgerechnet jetzt? Also, das hängt sicher mit Tubs Geburt zusammen.' Und Rona hatte gesagt: 'Klar hängt das damit zusammen! Ich schlafe nicht, habe keine Kraft, keinen Verstand mehr.' 'Mir scheint, du machst dir das Leben ein bisschen zu einfach ', beharrte er. 'Immerhin gibt es ja eine Million andere Programme. Rein intuitiv würde ich sagen, das hängt irgendwie mit dem Bösen zusammen, mit unserem Verhältnis zum absoluten Bösen von dem Moment an, in dem wir Kinder haben. Aber nur du kannst wissen, ob das in deinem Fall zutrifft.' Ihr Blick wanderte zum Fernseher, vielleicht hören wir uns erst mal an, was der dazu meint. Aber der Fernseher war ausgeschaltet, und die Fernbedienung lag obenauf, wie bei Alleinstehenden im Wohnzimmer. Als hätte sie sie dort in ihrer eigenen Vergangenheit vergessen, unerreichbar für sie. Tränen traten ihr in die Augen. Wieder mal schien ihr, etwas stimmte nicht, dass es etwas gab, das sie nicht wusste, nicht richtig machte. Es konnte ja nicht sein, dass alle, Hunderte Millionen Mütter auf diesem Planeten, schlechtere als sie, denn es gab sicher schlechtere als sie, Mütter, die kein Glück hatten, die aus eigenen Gründen unglücklich waren - dass die das alle so machten, in dieser Form, Tag für Tag, ein Kind nach dem nächsten, ohne das je zu stoppen. Irgendjemand hätte das längst gestoppt, wenn das alles so richtig wäre, wenn es wirklich so sein sollte. Wie damals, als sie den Wäschetrockner gekauft hatten und die Wäsche erst nach fünf oder sechs Mal Durchlaufenlassen trocken wurde, und Rona und Gidi nicht verstanden, wofür soll man dann überhaupt einen Wäschetrockner kaufen? Das ist das große Glück? Bis Gitit ihr gesagt hatte: 'Du machst doch den Filter sauber? Du weißt, du musst den Filter reinigen? Ich wusste es am Anfang nämlich auch nicht.' Sie machte einen langen Arm und pflückte den Kindle vom Tisch. Seit der Geburt hatte sie rein gar nichts mehr gelesen. Genau genommen vielleicht sogar ein bisschen länger schon nicht, aber die Zeit in der Schwangerschaft zählte nicht, war von vornherein verziehen. Warum hatte sie nicht gelesen? Zu gern hätte sie geantwortet: Darum. Hätte ihr neues, nicht belesenes Leben der Welt in die Visage geklatscht, als Strafe gewissermaßen. Aber niemanden kümmerte das, das wusste sie sehr gut. Nun, Gidi kümmerte es schon. Aber Gidi wusste nichts davon. Nicht, dass sie ihn angelogen hätte - sie hatte es einfach nicht erzählt. Ohnehin wäre es sonderbar gewesen, von etwas zu erzählen, das man nicht tat. Aber sie wusste genau, er ging davon aus, dass sie las, genauso wie er annahm, sie schriebe noch. Wann? Wann um alles in der Welt hätte sie das tun sollen, seiner Meinung nach? Vielleicht ja nachts, eine hinlänglich dehnbare Zeit, um alle möglichen Sachen zu tun. Aber auch morgens war vielseitig nutzbar, jede Zeit, bis auf die, die sie zusammen verbrachten, war universell einsetzbar; vage genug und weit genug entfernt von ihm, um sich vorstellen zu können, sie wäre ausreichend. Was würde passieren, wenn er es wüsste? Vielleicht würde er sagen: 'Sei vorsichtig, niemand sollte mehr schreiben, als er selbst liest.' Und sie würde sagen: 'Sei unbesorgt.' Das Gerät antwortete ihr höflich, schluckte seine Vorhaltungen. Sie stellte fest, sie las tatsächlich etwas: Zigaretten von Harry Mathews. Was soll das sein? Sie wischte zurück, aber das half nicht. Diese Menschen kamen ihr nicht bekannt vor. Sie las die Zusammenfassung. Vielleicht fing sie einfach noch mal neu an. Doch dann stahl sie sich aus dem Buch, als vernichtete sie Beweise, wusste selbst nicht, wofür. Für ihren eigenen Gedächtnisschwund oder für etwas anderes? 'Bücher, die Ihnen gefallen könnten: Liebe morgen früh . Mallory Whitecliff, eine junge Archivarin, die mit ihren Eltern in einer winzigen Sozialwohnung auf der falschen Seite von Los Angeles lebt, stößt eines Tages auf eine Anzeige: Ein neuer Service - ein Bli Lesen Sie weiter.' Und plötzlich musste sie es wissen. Ein Bli - was?! Sie gehorchte: Lesen Sie weiter. ' Ein Blick in die Zukunft! Wissenschaftlich überwacht und ohne Nebenwirkungen. Mallory wird neugierig. Drei Tage und einhundertfünfzig Dollar später findet sich Mallory in einem kleinen Raum wieder, ihr Kopf in einem teleskopartigen Gerät: In wenigen Augenblicken wird ihr ein Bild aus ihrer Zukunft gezeigt werden. Mallory bereute bereits: Was konnte da schon auf sie warten? Irgendein öder, miserabel bezahlter Bürojob? Eine Vernunftehe mit einem verfetteten Ehemann? Es gibt Dinge, die weiß man besser nicht. Mallory wollte sich gerade aus dem Gerät befreien, da erschien ein Bild auf dem Display: Sie trug ein schönes, elegantes Kleid, und neben ihr stand ein groß gewachsener, muskulöser, gut gekleideter Mann, der sie zärt...